Obstbaumlebensgemeinschaft

In Deutschland wäre ohne den Einfluss des Menschen fast alles Land von Wald bewachsen. Die Buche wäre die vorherrschende Baumart. Der Wald stellt ein enorm effizientes Ökosystem dar, das für uns Menschen aber nur begrenzt Nahrung liefert: Frühlingskräuter, Bucheckern, Pilze und eventuell die Tiere des Waldes. Der Waldrand hingegen stellt mit seinem vielfältigen Aufbau aus Bäumen, Sträuchern, Stauden und Kräutern und der Vielfalt an tierischen Bewohnern eine sehr viel ergiebigere Nahrungsressource für uns Menschen dar.

Die Obstbaum-Lebensgemeinschaft (OLG) ist ein Element in der Permakultur, das sich den Waldrand als Vorbild genommen hat. Um einen Obstbaum oder idealerweise eine Obstbaumgruppe herum ordnen sich in konzentrischen Kreisen die unterschiedlichen Zonen an. Obstbäume deshalb, weil sie die unmittelbarste Art verkörpert, uns Menschen mit ihren Früchten Nahrung zu schenken. Die folgende Beschreibung der OLG orientiert sich am Buch „Gärtnern im Biotop mit Mensch“ von Gerda und Eduard W. Kleber.

OLG 1

Draufsicht einer Obstbaumlebensgemeinschaft mit dem Obstbaum in der Mitte

Obstbaum: Zunächst geht es also darum, einen geeigneten Baum auszuwählen. Es gibt verschiedene Obstgewächse, unterteilen kann man sie z.B. nach der Art ihrer Früchte: Kernobst (z.B. Apfel), Steinobst (z.B. Zwetschge), Schalenobst (z.B. Walnuss) und Beerenobst (z.B. Brombeere). Diese Obstarten wachsen sowohl als Stauden, Sträucher als auch Bäume. Für die OLG suchen wir am günstigsten einen hochstämmigen Obstbaum aus. Hierbei gilt es auf verschiedene Faktoren zu achten:

  • Wuchsunterlage des Baumes
  • Erwartete Größe des Baumes
  • Ansprüche des Baumes
  • Herkunft des Baumes
  • Erntezeit
  • Befruchtung
  • Wert und Geschmack der Früchte
  • Nötiger Pflanzabstand zu anderen Bäumen
  • Sonnengang
  • Klima
  • Windschutz
  • Boden (-art, -feuchte, -leben, -fruchtbarkeit)

Ist die Auswahl gefallen, geht es darum, den Baum einzupflanzen. Geeignet sind frostfreie Zeiten zwischen Oktober und April, wobei der Herbst meist günstiger ist. Je nach Wasserhaushalt des Bodens wird der Baum entweder in einer Mulde oder auf einem kleinen Erdwall gepflanzt. Das Pflanzloch wird üblicherweise doppelt so breit und 20 cm tiefer als der Wurzelstock ausgehoben. Je ungünstiger die Erde für den Obstbaum ist, desto größer das Pflanzloch und desto mehr wird die Erde mit Kompost oder Mutterboden vermischt, bevor das Loch wieder aufgefüllt wird. Ist das Pflanzloch mit Erde gefüllt, wird der Boden leicht angedrückt und mit Wasser angeschlämmt, um das Anwachsen zu begünstigen. Die Veredelung der Bäume bleibt über der Erde, da sie sonst selbst anwurzelt, was Ernteerträge mindert. Zum Anwurzeln braucht der Baum einen guten Halt, deshalb empfiehlt es sich, ihn zu Beginn an einem Haltepfahl festzubinden.

Innerer Kreis: Ganz in der Nähe des Baumes, noch unter der Krone, befindet sich der innere Kreis (Durchmesser ca. zwei Meter). Er repräsentiert die Waldbodenzone, die aufgrund des dichten Blätterdaches relativ wenig Licht erhält. Auf den Waldboden fällt das ganze Laub der Bäume, deshalb wird dieser innere Kreis in der OLG ständig gemulcht. Halbschattenpflanzen wie z.B. Winterpostelein können in die Mulchdecke gefplanzt werden.  Auch Vogelmiere, Kapuzinerkresse oder Gundelrebe können hier wachsen und zu einem leckeren Wildkräutersalat beitragen. Außerdem können in den inneren Kreis z.B. Primeln, Schwertlinien eingepflanzt werden, die zusammen mit anderen Stauden als Wachstumsanreger für Obstgehölze gelten.

OLG 2

seitliche Ansicht einer Obstbaumlebensgemeinschaft

Staudenring: Der nächste konzentrische Kreis ist der Staudenring mit einer Breite von ca. einem Meter, der bis zur Kronentraufe des Obstbaumes reicht. In den ersten Jahren kann er der Bodenverbesserung (durch Gründüngung mit z.B. Klee, Phacelia und Luzerne) und der Förderung der Wurzelausbildung des Baumes (durch Tiefwurzler wie z.B. Ackerbohne, Erbse und Bitterlupine) dienen.  Anschließend gibt er Insekten Heimat, dem Baum Mineralstoffe und uns Menschen frische Salat-, Gewürz- oder Teezugaben. Geeignete Stauden zur Gesunderhaltung der Bäume sind u.a. Brennessel, Beinwell, Meerrettich, Wermut und Knoblauch. Als Nahrungsspender für Insekten dienen u.a. Taubnessel, Wiesensalbei, Schafgarbe, Dost und Wegwarte. Viele Stauden sind mulitfunktional und erfüllen mehrere der folgenden Aufgaben:

  • Ausdauernd und pflegeleicht
  • Als Tiefwurzler lockern sie den Boden
  • Als Leguminosen binden sie Stickstoff
  • Sie fördern Wachstum und Gesundheit des Baumes
  • Sie bieten Insekten Nahrung
  • Sie bieten Menschen Nahrung
  • Sie liefern Mulchmaterial

Ergänzungsring: An den Staudenring schließt sich der Ergänzungsring an, der ein bis zwei Meter breit sein kann. Er übernimmt ergänzende Funktionen wie z.B. die Stabilisierung der Insektenpopulation, die weitere Bodenverbesserung, das Bereitstellen von Mulchmaterial und ein Ernährungsbeitrag für uns Menschen. Der Ergänzungsring besteht meist aus Sträuchern mit Unterbewuchs. Auf der Sonnenseite kann er intensiv genutzt werden, bei wenig Platz sogar als Kräuter- oder Salatbeet oder Standort für Beerensträuchern. Geeignete Sträucher für die Ernährung von Insekten sind z.B. Faulbaum, Kornelkirsche, Weiden, Schlehe, Holunder, Berberitze, Hartriegel, Heckenkirsche, Kreuzdorn, Weißdorn und andere. Geeignete Stauden als Unterbepflanzung sind z.B. Scharbockskraut, Lungenkraut, Waldmeister, Bärlauch und Walderdbeere. Bei der Auswahl der Sträucher kann auf folgende Kriterien geachtet werden:

  • Wildstrauch oder gezüchteter Obststrauch
  • Ansprüche des Strauches
  • Wuchsform
  • Erscheinungsbild (z.B. Stacheln?)
  • Blütezeit
  • Erntezeit (auch im Winter für Vögel?)
  • Anzahl der InsektenArten, die den Strauch nutzen
  • Ernährungsbeitrag für Menschen

Permakultur-Prinzipien: Die OLG erfüllt mehrere Prinzipien: Mehrfachfunktionen und Vielfalt sorgen für Stabilität, es handelt sich um einen relativ geschlossenen Kreislauf und ein energieeffizientes Modell nach Vorbild der Natur. Die OLG produziert keinen Abfall, dafür aber Überfluss und Ernte für den Menschen. Es handelt sich um eine einfache und leicht instandzuhaltende Lösung, die lokale Ressourcen verwendet und sich in die örtlichen Gegebenheiten einfügt.

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